Sonntag, 18. August 2013

Heiter bis wolkig:
Die Debatte um die Zukunft der Zeitung

Die Zeitungsdebatte ist ausgebrochen. Spätestens seit Springer seine Regional-Blätter an den WAZ-Funke-Konzern verkaufte und der Spiegel zur Diskussion über die Zukunft des Journalismus rief, kann nun auch der letzte Leser einen Blick auf die dunklen Wolken werfen, unter denen sich viele in der Branche seit Jahren wegducken.

Eine Auswahl der bisher bemerkenswertesten Beiträge:

"Printprodukte nur digital zu vermarkten, das ist so wenig die große Lösung wie Bezahlmodelle für Online-Journalismus." - so eröffnete Cordt Schnibben am 4. August auf spiegel.de die öffentliche Diskussion mit der Frage: "Brauchen wir noch Tageszeitungen, und wenn ja, welche?"

Olivenöl statt Journalismus - mit seinem Beitrag "Lieber Journalismus, wir müssen reden" kehrte Michalis Pantelouris der Welt der unabhängigen Berichterstattung den Rücken - und sorgte damit für einiges Aufsehen. "Statt sich durch die Hintertür zu verabschieden, sollten Journalisten aufstehen und sagen: Nicht mit uns!", konterte etwa Thilo Komma-Pöllath auf meedia.de.

Ein winziger Sonnenstrahl blinkte kurz durch die Gewitterwolken, als bekannt wurde, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos die Washington Post kauft. Plötzlich mache "alles wieder Sinn", freute sich etwa Karsten Lohmeyer.

Stefan Niggemeier warf unterdessen für faz.net einen Blick auf die "Schöne neue Springer-Welt" und befand: "Der Chefredakteur als sympathischer Wuschelnerd, der Vorstandsvorsitzende im Kapuzenpulli - das sind Teile einer Inszenierung, mit der Springer um Liebe und Anerkennung buhlt. Nicht mehr bei den alten Zeitungsfreunden. Bei einer neuen Zielgruppe: den Geeks und Entrepreneurs, den Hackern, den zukünftigen Herrschern der Medienwelt."

Im Rahmen der Spiegel-Debatte erklärte Stephan Weichert: "Es ist hilfreich, wenn sich die Verleger auch mit alternativen Finanzierungsmodellen befassen." Richard Gutjahr spekulierte: "Wenn Qualität, Auswahl, Preis und Abrechnungsprozedur stimmen, sind die Menschen im Netz bereit, sogar für virtuelle Gaga-Güter - wie zum Beispiel Schlumpfbeeren - zu bezahlen." Und Konrad Lischka brachte die Ängste der ganzen Branche auf den Punkt: "In zehn, fünfzehn Jahren funktioniert das Geschäftsmodell der Regionalzeitungen nicht mehr."

Adam Soboczynski stellte daraufhin für zeit.de fest: "Seit sich der Axel Springer Verlag von seinen Regionalzeitungen getrennt hat, findet ein Überbietungswettbewerb im Niederreden des Journalismus statt, als ginge es darum, möglichst effizient Leser und Anzeigenkunden zu vergraulen."

Und Sascha Lobo fasste zusammen: "Jeder einzelne bisherige Teilnehmer der Debatte empfiehlt als Lösung der Zeitungskrise letztlich: sich selbst."

Auf faz.net ist zu lesen, was Stefan Schulz von alldem hält: "Journalismus war nie so erfolgreich wie heute", heißt es da. Und auch die Vorzüge des auf Papier gedruckten Journalismus werden erklärt: "Eine Zeitung ist für jeden Leser dieselbe, und sie bleibt nach Erscheinen unverändert. (...) Das Angebot, das Zeitungen bieten, lautet „Wahrheit“."

Mathias Döpfner übrigens hatte, gleich nach dem Verkauf von "Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und Co, der "Schweiz am Sonntag" ein Interview gegeben. "Ich finde", sagte er dabei, "dass Journalist der schönste Beruf der Welt ist - und seine beste Zeit noch vor sich hat."

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