Mittwoch, 29. Juni 2011

Worte sind wertvoll

Bis so ein Satz steht, mit dem man zufrieden ist, dauert es. Selbst der Vielschreiber kann auf der Tastatur nicht einfach drauflos hämmern. Jeder Satz hat eine Vorgeschichte, weil Worte eben nicht nur Worte sind, an die sich morgen niemand mehr erinnert. Worte bedeuten etwas. Weil sie etwas bedeuten, haben Worte Macht. Weil sie Macht haben, muss mit ihnen, sobald sie öffentlich geäußert werden, mit Sorgfalt umgegangen werden. Bis so ein Satz steht, der Bestand hat, dauert es.

Denn vor dem Wort steht die Recherche. Und je mehr Zeit dafür bleibt, einen Sachverhalt von Grund auf zu untersuchen, je mehr Zeit dafür bleibt, sich über Gegebenheiten ins Bild zu setzen, desto treffender, packender, richtiger ist das Ergebnis. So arbeiten die allermeisten Journalisten in Deutschland, weil sie wissen, dass Worte wertvoll sind.

Die Mühe und der Aufwand hinter einem Artikel bleiben für die Leser im Regelfall unsichtbar. Das gehört zum Arbeitsethos von Journalisten. Sie wollen nicht langweilen, nein, sie wollen Nachrichten und Informationen knapp und präzise weitergeben. Aus stundenlangen Debatten destillieren Journalisten die Essenz, die am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen sein wird. Damit wollen sie ihren Beitrag dazu leisten, dass die Demokratie in diesem Land funktioniert, dass sich jeder Bürger seine Meinung bilden kann.

Schließlich ist die Freiheit der Presse fest im Grundgesetz verankert. Zensur darf nicht stattfinden, haben die Architekten unserer Demokratie gesagt. Dieses Grundrecht sehen die allermeisten Journalisten gleichzeitig auch als Grundpflicht an. Von der Freiheit muss man Gebrauch machen, damit die Demokratie funktioniert, damit die Bürger dieses Landes wissen, wie sie regiert werden.

Bis so ein Satz steht, mit dem man zufrieden ist, dauert es. Den tippt man nicht so vor sich hin. Jeder Satz hat eine Vorgeschichte, damit man seinem Auftrag, seinem Anspruch und vor allem seinen Lesern gerecht wird. Journalisten recherchieren und schreiben dafür so lange, bis sie mit dem Inhalt zufrieden sind. Oft, sehr oft heißt das,  Überstunden in den Redaktionen zu machen. Das gehört zum Beruf, denken sich die meisten, dafür wird man schließlich bezahlt. Worte sind wertvoll, aber wertvolle Worte sind nicht umsonst zu haben.

Gerade rütteln jedoch die Zeitungsverleger in Deutschland an den Grundfesten des Berufs, weil sie massive Gehaltskürzungen durchsetzen wollen. Worte sind wertvoll, halten wir ihnen entgegen!

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